Natur und Landschaft

Versiegelte Fläche

m2 pro EinwohnerIn / Anteil (%) der Stadtfläche

ab 2002: GIS-gestützt; bis 2001 Arealstatistik des Bundes

Indikatordefinition, Datenquellen & Bezug zur nachhaltigen Entwicklung einblenden

Unter Bodenversiegelung wird die Bedeckung des Bodens mit undurchlässigem Material wie Asphalt oder mit Gebäuden verstanden. Vollständig versiegelte Flächen verlieren ihre Funktion als Pflanzenstandort, Lebensraum für Organismen, Grundwasserspender oder Filter und beeinflussen das lokale Klima negativ. Der Naturwert der unversiegelten Flächen kann sehr unterschiedlich sein.

Seit 2002 wird der Indikator auf GIS-Basis erhoben. Die Stadt Zürich ist in Flächen unterteilt, die nach 42 verschiedenen Bodenbedeckungsarten kategorisiert sind. Als versiegelt gelten befestigte Flächen von Bahn und Strasse, Hausumschwung und Wasserbecken sowie Gebäudeflächen. Alle humusierten oder bestockten Flächen gelten als unversiegelt. Gewässerflächen werden aus der Betrachtung ausgeschlossen (versiegelte Fläche in Prozent der Stadtfläche ohne Gewässer).

Bis 2001 wurde die versiegelte Fläche gemäss den Kategorien der Arealstatistik berechnet und mit einer GIS-gestützten Methodik kalibriert. Unter die versiegelten Flächen fielen die Kategorien Strassen, Plätze, Parkplätze und Gebäudegrundflächen. Für die Kategorie «Höfe, Gärten, Lagerflächen» wurde ein Versiegelungsgrad von 50 Prozent angenommen.

Grün Stadt Zürich

Der Boden ist für Mensch, Tier und Pflanze eine unverzichtbare Lebensgrundlage, die es zu erhalten gilt. Gleichzeitig ist der Boden auch die wohl am deutlichsten begrenzte, nicht erneuerbare Ressource, die auch noch kommenden Generationen zur Verfügung stehen soll. Gerade in einem dicht besiedelten Raum wie der Agglomeration Zürich ist ein haushälterischer Umgang mit dem Boden unerlässlich. Eine reiche Tier- und Pflanzenwelt und ausreichende Freiraum- und Erholungsflächen basieren auf offenen, naturbelassenen Bodenflächen. Meteorwasser, das von versiegelten Flächen abfliesst, wird in die Kanalisation geleitet und belastet die Abwasserinfrastruktur der Stadt stark. Unversiegelte Flächen tragen dazu bei, die Meteorwassermenge in der Kanalisation zu minimieren. Die Bodenversiegelung hat auch einen ausgeprägten Einfluss auf das lokale Klima in der Stadt. Über versiegelten Flächen erwärmt sich die Luft am Tag deutlich stärker und kühlt nachts weniger ab als in der freien Landschaft.

Wo steht die Stadt Zürich heute?

Etwas mehr als ein Drittel der gesamten Bodenfläche der Stadt Zürich ist versiegelt, Ende 2015 waren es 37,4 Prozent (Berechnung ohne die Gewässerflächen). Die versiegelte Fläche pro Kopf hat aufgrund der stark steigenden Bevölkerungszahl deutlich abgenommen.Mehr anzeigen

Die versiegelte Fläche nahm in den letzten 20 Jahren stetig leicht zu. Die Zunahme war in den letzten Jahren aber gering. Auffällig ist der Anstieg zwischen 1999 und 2004. Dieser Anstieg ist einerseits im Zusammenhang mit der Entwicklung der früheren Industrieareale in Zürich Nord und Zürich-West zu sehen, wo auch bisher unversiegelte Flächen neu überbaut wurden. Nach der jahrelangen Rechtsunsicherheit löste die neue BZO Ende 90er-Jahre zudem eine intensivierte Bautätigkeit aus. Zahlreiche brachliegende, unversiegelte Parzellen wurden in dieser Zeit baulich verdichtet oder erstmals überbaut (z.B. Hürlimann-Areal). Auch der Bau zusätzlicher Wohnungen im Rahmen des Legislaturschwerpunkts «10 000 Wohnungen in zehn Jahren» konnte nicht ohne Flächenverbrauch realisiert werden.

Die versiegelte Fläche pro Kopf der Bevölkerung hat in den letzten Jahren aufgrund der stark steigenden Bevölkerungszahl von 87,7 m2 im Jahr 2004 auf 79,6 m2 im Jahr 2015 deutlich abgenommen. Das Wachstum der letzten Jahre ist somit nicht oder nur zum Teil auf Kosten von Freiflächen gegangen. Die Stadt wird weiter wachsen, vor allem durch Verdichtung. Dadurch geraten auch in Zukunft weitere, nicht versiegelte Flächen unter Druck. Andererseits bieten sich im Rahmen neuer Überbauungen auch immer wieder Chancen, grössere öffentlich nutzbare Freiflächen zu schaffen.

Städtevergleich

Überbaute Fläche pro Person in m2 (Daten aus der Arealstatistik)

*Luzern nach heutigem Gebietsstand (Stand nach Fusion mit Littau)

Indikatordefinition, Datenquellen & spezielle Hinweise einblenden

Der Indikator ist ein gutes Mass für die städtische Dichte. Die «überbaute Fläche» entspricht der Summe genutzter Flächen für Bauten und Anlagen. Aus der Arealstatistik des Bundes werden die Flächen «Gebäudeareal», «Besondere Siedlungsflächen» und «Verkehrsflächen» zusammen gezählt. Die überbaute Fläche wird durch die mittlere Einwohnendenzahl im jeweiligen Erhebungsjahr dividiert.

Die «überbaute Fläche» unterscheidet sich vom Nachhaltigkeitsindikator «Versiegelte Fläche». Die Arealstatistik ist weniger präzise. Im Städtevergleich werden unter der «überbauten Fläche» auch Gärten, Graspisten oder Strassengrün subsummiert.

Die Dichte der Kernstädte ist nur ein Faktor, um die Nachhaltigkeit der Siedlungsentwicklung zu beurteilen. Im Prinzip müsste das Umland ebenso in die Betrachtung mit einbezogen werden.

Wo steht die Stadt Zürich im Vergleich?

Genf ist die mit Abstand dichteste Schweizer Stadt, gefolgt von Basel, Lausanne und Zürich. Nimmt die Bevölkerungszahl zu wie in Zürich oder Genf, steigt auch die städtische Dichte.Mehr anzeigen

Verdichten ist ein zentrales Gebot einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung. Die Verdichtung der bestehenden Siedlungsgebiete, anstelle der Erschliessung neuer Flächen, ist der Kern einer nachhaltigen Bodennutzung. In den Kernstädten ist die Bevölkerungsdynamik der treibende Faktor. Verringert sich die Bevölkerungszahl wie in Basel, Lausanne und Bern, nimmt die städtische Dichte ab, nimmt sie dagegen zu wie in Zürich oder Genf, steigt auch die städtische Dichte. Die Kernstädte sind besonders gefordert qualitätsvoll zu verdichten und Grünflächen als Ausgleich zu erhalten (oder neu zu schaffen).

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