Finanzkraft

Steuerkraft

Reale Steuerkraft in Zürich zu Preisen des Jahres 2000 in Franken pro EinwohnerIn

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Die Steuerkraft misst den um die Gemeindesteuerfüsse bereinigten Nettosteuerertrag pro Gemeinde. Die Steuerkraft wird vom kantonalen Statistischen Amt als Grundlage für den Finanzausgleich zwischen den Gemeinden im Kanton berechnet, in welchen die Stadt Zürich seit 2011 ebenfalls eingebunden ist und damit die seit 1999 bestehende Sonderlösung mittels kantonaler Leistungsabgeltung für zentralörtliche Lasten der Stadt Zürich abgelöst hat. Der Indikator bezieht sich auf die Bevölkerung nach wirtschaftlichem Wohnsitzbegriff (wogegen die kantonale Statistik auf den zivilrechtlichen Wohnsitz abstellt). Die Darstellung ist teuerungsbereinigt und basiert auf dem Preisstand von 2000.

Mit den Steuereinnahmen finanziert die Stadt eine bedürfnisgerechte und auf die Zukunft ausgerichtete Infrastruktur zugunsten von Bevölkerung und Wirtschaft. Mit den Steuergeldern sorgt die Stadt für Lebens- und Wohnqualität, sichert die Standortqualität für die Wirtschaft und finanziert die effiziente Verwaltung. Nur wenn die Stadt finanziellen Handlungsspielraum hat, kann sie umfassende Leistungen zur weiteren Verbesserung und zur Sicherung der Wohn- und Lebensqualität garantieren und die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft weiter optimieren.

Wo steht die Stadt Zürich heute?

In den Jahren 2014 und 2015 war erstmals wieder ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Zuvor blieb der Wert über mehrere Jahre im Bereich um die Fr. 4400.- pro Kopf. Die Finanz- und Wirtschaftskrise (ab 2008), hat sich negativ auf die Steuerkraft ausgewirkt. Mehr anzeigen

Mit einer Steuerkraft um die Fr. 4600.- pro Kopf gehört die Stadt zu den Zürcher Gemeinden mit einer hohen Steuerkraft pro Kopf. Im Unterschied zum Beispiel zu den Gemeinden der Region Pfannenstiel ist dies jedoch nicht auf eine besonders begüterte Bevölkerung, sondern auf einen hohen Anteil an Firmen vorab des Finanzsektors zurückzuführen. Zum Vergleich: In der Stadt Zürich lag die Steuerkraft pro Kopf im Jahr 2015 bei Fr. 5080.- (nicht teuerungsbereinigt), im Kanton Zürich bei Fr. 3958.-; Spitzenreiter ist die Gemeinde Küsnacht mit einer Steuerkraft von Fr. 12 662.- pro Kopf.

Der markante Anstieg der Steuerkraft pro Kopf ab 1997 bis 2002 war zu einem wesentlichen Teil auf die damals stark steigenden Steuererträge der global tätigen Unternehmen des Finanzsektors zurückzuführen. Der darauf folgende Rückgang widerspiegelt den durch die «New Economy»-Krise ausgelösten konjunkturellen Einbruch Anfang des Jahrtausends. Ab 2005 setzte wiederum eine deutliche Konjunkturerholung ein, im Zuge derer der Anteil an Steuern von juristischen Personen, namentlich jene der globalen Finanzdienstleister, stark anstieg und 2007 einen Rekordwert von 41,3 Prozent am Gesamtsteuerertrag erreichte. Ab 2008 sackte dieser Wert als Folge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise auf 27,2 Prozent ab, die rasche Überwindung der Rezession führte aber bereits in den beiden Folgejahren zu einer schnellen Erholung. Einerseits konnten die Steuerausfälle der Grossbanken teilweise innerhalb der juristischen Personen kompensiert werden, andererseits führte der günstige Verlauf der Stadtentwicklung mit einem Zuzug auch finanzkräftiger Privatpersonen zu einem Anstieg der Steuererträge natürlicher Personen. Letztere schwanken generell weit weniger und sind damit ein gutes Fundament für eine langfristige Finanzpolitik. 2015 machten die Gesamterträge der juristischen Personen 820 Mio. Franken (31 Prozent der gesamten Steuereinnahmen)und jene der natürlichen Personen 1,430 Mrd. Franken (55 Prozent der gesamten Steuereinnahmen) aus.

Städtevergleich

Direkte Bundessteuern der juristischen und natürlichen Personen im Jahr 2012 in Franken pro Kopf

Indikatordefinition & Datenquellen einblenden

Steuer vom Einkommen natürlicher sowie vom Gewinn juristischer Personen, die der Bund erhebt. Die Veranlagung erfolgt durch die Kantone, welche auch einen Teil der Einnahmen erhalten.

Um die Steuereinnahmen ins Verhältnis zur Einwohnendenzahl zu setzen, werden die sogenannten Kopfquoten berechnet (Steuerertrag/ständige Wohnbevölkerung im massgeblichen Steuerjahr).

Zur ständigen Wohnbevölkerung zählen seit dem 31. Dezember 2010 alle schweizerischen Staatsangehörigen mit einem Hauptwohnsitz in der Schweiz; ausländische Staatsangehörige mit einer Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung für mindestens zwölf Monate (Ausweis B oder C oder EDA-Ausweis [internationale Funktionäre, Diplomaten und deren Familienangehörige]); ausländische Staatsangehörige mit einer Kurzaufenthaltsbewilligung (Ausweis L) für eine kumulierte Aufenthaltsdauer von mindestens zwölf Monaten; Personen im Asylprozess (Ausweis F oder N) mit einer Gesamtaufenthaltsdauer von mindestens zwölf Monaten.

Wo steht die Stadt Zürich im Vergleich?

Im Vergleich der juristischen Personen liegt die Kopfquote der Stadt Zürich deutlich tiefer als jene von Basel, Genf und Lausanne. Bei den natürlichen Personen weist die Stadt Zürich eine ähnlich hohe Kopfquote aus wie Basel.Mehr anzeigen

Zürich, Basel und Genf sind die Kernstädte der bedeutendsten Schweizer Metropolregionen, in denen auf nur 10% der Landesfläche nahezu zwei Drittel des Schweizer Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwirtschaftet werden. Die mit Abstand bedeutendste Metropolregion ist Zürich, mit einem Anteil von knapp einem Drittel (29 Prozent) an der nationalen Wertschöpfung, gefolgt von den Metropolregionen Genf-Lausanne (14 Prozent) und Basel (10 Prozent). Bei der Verteilung der Firmenhauptsitze der 150 grössten Unternehmen der Schweiz ergibt sich eine noch stärkere regionale Konzentration: Alleine auf die Region Zürich entfallen fast die Hälfte (43 Prozent), gefolgt von Genf-Lausanne und Basel (je 13 Prozent). In diesen drei Stadtregionen sind somit gut drei Viertel (76 Prozent) der wichtigsten Unternehmenszentralen des Landes angesiedelt. Wenig überraschend liegen deren Kernstädte zusammen mit Lausanne bei der Kopfquote der vom Bund erhobenen Einkommenssteuer sowohl bei den natürlichen wie juristischen Personen an der Spitze.

Das gleichwohl enttäuschende Abschneiden von Zürich bei der Kopfquote der juristischen Personen lässt sich grösstenteils auf die Differenzen im lokalen Branchenmix zurückführen. Die Finanzkrise hat Zürich besonders getroffen und hat die starke Abhängigkeit der Stadt vom Finanzsektor augenfällig gemacht. So verdankt Basel seinen sehr guten Spitzenplatz der starken und zudem relativ konjunkturunabhängigen Pharmabranche. In Zürich und Genf (aber auch in Lausanne) ist hingegen der Finanzsektor der weitaus bedeutendste Wirtschaftszweig. In Zürich generiert er jeden dritten Wertschöpfungsfranken und ist für jeden fünften Job verantwortlich, was Segen und Fluch zugleich ist, indem die Finanzbranche – was im Diagramm deutlich zum Ausdruck kommt – in wirtschaftlichen Krisenzeiten auch ein bedeutendes Klumpenrisiko darstellt. Dass Genf bei ähnlicher Ausgangslage deutlich besser abschneidet lässt sich einerseits mit der diversifizierend wirkenden, starken Präsenz des Rohstoffhandels in der Rhonestadt erklären, andererseits war der Finanzplatz Zürich durch die international exponierten Grossbanken (UBS und Credit Suisse) besonders stark betroffen.

Die wirtschaftliche Dominanz der grossen Ballungszentren spiegelt sich auch im Arbeitsmarkt und damit bei der Kopfquote bei den natürlichen Personen wider. So liegt einerseits der Anteil Erwerbstätiger in Zürich, Basel, Genf und Lausanne in Bezug auf die Gesamtbevölkerung über dem Schweizer Durchschnitt, andererseits ist aber auch die Wertschöpfung pro Arbeitsplatz im Finanzsektor und namentlich auch in der pharmazeutischen Industrie deutlich höher. Auch ist in den letzten zehn Jahren die Zahl der Erwerbstätigen in Genf-Lausanne und Zürich weit über dem nationalen Durchschnitt gestiegen.

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