Fazit: Ist die Stadt Zürich auf Nachhaltigkeitskurs?



Kursschiff Buerkliplatz

Foto: Sascha Török, Wirksame Gestaltung

Die Stadt Zürich steht insgesamt gut da

Das Nachhaltigkeitsmonitoring zeigt: Die Stadt Zürich steht insgesamt gut da. Die Wirtschaft läuft und die Arbeitslosigkeit ist relativ tief, trotz schwierigem internationalem Umfeld. Die Umweltqualität ist hoch und der gesellschaftliche Zusammenhalt ist auch bei zunehmender Internationalität gross. Das ist erfreulich. Wir stehen zugleich aber auch vor grossen Herausforderungen. Zürich will 2000-Watt-Gesellschaft werden, Zürich will den Anteil an gemeinnützigen Wohnungen an den Mietwohnungen auf einen Drittel erhöhen und Zürich will den Anteil des ÖV, Fuss- und Veloverkehrs markant steigern. Alles Ziele, die noch einiges an Ausdauer erfordern werden. Die Finanzlage der öffentlichen Hand ist zwar nicht rosig, kann aber als solide bezeichnet werden und erlaubt weiterhin wichtige Investitionen in Infrastrukturen, in ökologische Verbesserungen und in Massnahmen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern helfen.

Angesichts dieser vergleichsweise komfortablen Ausgangslage und einem in vielen Bereichen vorbildlichen Vorgehen der Stadt darf aber nicht vergessen werden, dass die Zürcher Bevölkerung noch keine nachhaltige (und keine 2000-Watt-)Gesellschaft ist. Aufgrund des hohen Wohlstandsniveaus ist der Ressourcenverbrauch gross. Die negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen dieses hohen gesellschaftlichen Konsums fallen zu einem wesentlichen Teil anderswo auf der Welt an.

Fazit zur wirtschaftliche Leistungsfähigkeit

Seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise (2008) hat sich die Zürcher Wirtschaft zwar erholt, aber zu einem kräftigen Wachstum ist es seither nicht mehr gekommen. Ein neuerlicher Dämpfer war die Aufhebung der Wechselkursuntergrenze gegenüber dem Euro Anfang 2015. Die konjunkturelle Lage war Ende 2015 dennoch verhalten positiv. Mehr anzeigen

Insgesamt darf die Vermögenslage der Stadt Zürich nach wie vor als solid bezeichnet werden. Die wirtschaftliche Entwicklung verläuft zwar gedämpft, die Baisse nach 2008 ist aber überwunden. Markant ist der Anstieg der Beschäftigtenzahlen, seit 2005 sind rund 77 000 Arbeitsplätze neu dazugekommen. Die Arbeitslosenquote ist in den letzten Jahren zwar stets leicht angestiegen, sie lag 2015 aber immer noch unter vier Prozent.

Der Vergleich mit anderen Städten zeigt, dass Zürich betreffend der genannten Parameter gut da steht. Züricherinnen und Zürcher verfügen - trotz zum Teil hoher Mieten - über eine sehr hohe Kaufkraft (siehe Kaufkraft-Studie der UBS, siehe Kapitel «Materieller Wohlstand» . Die Stadt weist einen hohen Anteil an Beschäftigen in Branchen mit hoher Arbeitsproduktivität auf und auch bezüglich Arbeitslosenquote steht die Zürich im Vergleich mit anderen Städten gut da.

Die wirtschaftlichen Indikatoren sind stark beeinflusst von globalen und nationalen Entwicklungen. Viele Unternehmen sind international tätig und abhängig von der europäischen und globalen Konjunktur. Zdem werden die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen massgeblich auf der nationalen Ebene definiert.

Fazit zur ökologischen Verantwortung

Der politische Wille im Umwelt- und Energiebereich vorbildlich zu sein ist gross und wird von der Mehrheit der Zürcher Bevölkerung getragen, was zahlreiche Abstimmungen der letzten Jahre zeigten. Die Umweltqualität weist isgesamt einen hohen Stand auf. Mehr anzeigen

In der Zeit von 1990 bis 2014 konnte die Stadt Zürich ihre CO2-Emissionen um etwa 20 Prozent auf rund 1,2 Millionen Tonnen senken. Vor allem im Gebäudebereich konnten die CO2-Emissionen gesenkt werden. Beim Verkehr sind die CO2-Emissionen nur leicht gesunken. In der gesamten Schweiz steigen sie hingegen weiterhin an.

Auch der Primärenergieverbrauch der Stadt Zürich hat seit 1990 deutlich abgenommen. Im Mittel der letzten fünf Jahre beanspruchten die Zürcherinnen und Zürcher etwas unter 4200 Watt Primärenergie. Das sind über 1000 Watt weniger als vor 25 Jahren. Nach 2007 hat sich der Abwärtstrend allerdings abgeschwächt. Zwischen den einzelnen Jahren gibt es witterungsbedingt beträchtliche Schwankungen. Wichtiger ist die langfristige Entwicklung.

Lokal stellen die Luft- und Lärmbelastung – wie in fast jeder anderen Stadt – ein Problem dar. Die Luftqualität in der Stadt Zürich hat sich seit den 1980er-Jahren zwar laufend verbessert. Die Belastung mit Stickstoffdioxid liegt jedoch weiterhin über dem Grenzwert der Luftreinhalteverordnung. Und trotz grosser Sanierungsanstrengungen lebt immer noch mehr als ein Drittel der Bevölkerung an Standorten mit Lärm-Immissionsgrenzwert-Überschreitungen. Der Hauptgrund dafür ist der motorisierte Individualverkehr. Mit der Bevölkerung wächst auch das Verkehrsaufkommen in der Stadt. Über Investitionen in den umweltfreundlichen Verkehr (ÖV, Velo, Fussgänger) sowie über Temporeduktionen auf Gemeindestrassen versucht die Stadt negative Auswirkungen der Mobilität aufzufangen.

Fazit zur gesellschaftlichen Solidarität

Zürich bietet eine hohe Lebensqualität, die Bevölkerung ist zufrieden und der gesellschaftliche Zusammenhalt ist gross. Dennoch gibt es auch Schattenseiten: Rund ein Zehntel der Bevölkerung ist auf staatliche Unterstützungsleistungen angewiesen und die anhaltende Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern ist ebenfalls nicht im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung. Mehr anzeigen

Die Bevölkerung ist mit den Lebensbedingungen und öffentlichen Einrichtungen in der Stadt zufrieden, wie die Bevölkerungsbefragungen immer wieder zeigen. Diese Einrichtungen konnten in den letzten Jahren laufend ausgebaut und verbessert werden. Beispielsweise wurde das Angebot an ausserfamiliärer Betreuung (Kindertagesstätten und Horte) stark erweitert.

Die Stadt Zürich Zürich setzt sich stark für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung ein. Beispielsweise um Menschen mit Behinderungen oder eingeschränkter Mobilität die Benützung des öffentlichen Verkehrs in der Stadt Zürich zu ermöglichen. Aber auch sonst hat sich in Zürich in den letzten Jahren einiges zum Guten verändert. So wurde der hindernisfreie Zugang zu den öffentlichen Gebäuden, Anlagen und Leistungen stark verbessert. Der grösste Handlungsbedarf besteht in der Arbeitswelt.

Nicht im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung ist die anhaltende Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern. Der Lohnunterschied macht deutlich, dass Frauen und Männer in der Erwerbswelt nach wie vor nicht am gleichen Ort stehen: Frauen sind in den Branchen, Positionen und Tätigkeiten, die gut bis extrem gut entlöhnt werden, weiterhin stark untervertreten. Problematisch ist auch, wenn Jugendliche nach der obligatorischen Schulzeit ohne Lehrstelle dastehen, wobei ausländische Jugendliche überproportional von dieser schwierigen Situation betroffen sind. Derzeit hat sich die Lage aber generell etwas entspannt.