Arbeitslosigkeit

Arbeitslosenquote

Anteil der registrierten Arbeitslosen an den Erwerbspersonen in Prozent (Jahresmittel)

Bis 2009 basieren die Zahlen für die Erwerbspersonen auf der Volkszählung 2000,
ab 2010 auf Daten der Strukturerhebung 2010, ab 2014 auf Daten der Strukturerhebungen 2012 bis 2014.

Indikatordefinition, Datenquellen & Bezug zur nachhaltigen Entwicklung einblenden

Bei der Arbeitslosenquote gemäss Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) handelt es sich um die Zahl der registrierten Arbeitslosen im Verhältnis zu den Erwerbspersonen. Hier wird das Jahresmittel verwendet.

Als arbeitslos gelten bei einem Regionalen Arbeitsamt (RAV) registrierte Personen, die am Stichtag (letzter Tag des Monats) keine Erwerbstätigkeit ausüben und innert 30 Tagen vermittlungsfähig sind.

Seit Juli 2016 berechnet sich die Arbeitslosenquote auf Basis der Erwerbspersonen gemäss Strukturerhebung 2012 bis 2014. Durch diese Anpassung wurde die Arbeitslosenquote ab 2014 revidiert. Bis Ende 2013 werden als Nenner Daten der Strukturerhebung 2010 verwendet. Bis 2009 basieren die Zahlen für die Erwerbspersonen auf der Volkszählung 2000. Im Moment der Anpassung sinkt die Quote jeweils leicht, da die Bezugsgrösse (Anzahl Erwerbspersonen) nach oben angepasst wird.

Im Gegensatz zur hier verwendeten Definition des Seco werden bei der Definition gemäss internationalem Arbeitsamt (ILO) alle Personen erfasst, die ohne Arbeit und auf Stellensuche sind sowie innerhalb kurzer Zeit zur Verfügung stehen. Dies unabhängig davon, ob sie beim RAV gemeldet sind. Die Quote gemäss ILO liegt deshalb meist höher.

Nachhaltige Entwicklung heisst, die «Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse» sicherzustellen und damit gesellschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Entwicklung im nachhaltigen Sinn setzt somit voraus, genügend adäquat bezahlte und sinnstiftende Arbeitsplätze anbieten zu können. Von Arbeitslosigkeit betroffene Personen sind in der Regel nicht nur von Armut bedroht, sondern oft auch psychischen und sozialen Belastungen ausgesetzt. Wenn immer weniger Menschen in den Arbeitsmarkt integriert sind und ein ausreichendes Einkommen erzielen, kann dies zu sozialen Spannungen und gesellschaftlicher Instabilität führen.

Wo steht die Stadt Zürich heute?

Die Arbeitslosigkeit in der Stadt Zürich lag 2015 bei 3,9 Prozent. Trotz kräftigem Beschäftigungswachstum geht die Arbeitslosigkeit nicht zurück. Eine der Ursachen dafür liegt im andauernden Strukturwandel vor allem in Industrie- und Gewerbebranchen sowie in den Finanzdienstleistungen. Ein weiterer Grund dürfte der starke Franken sein. Die Wirtschaft spürt die Nachwehen des Frankenschocks.Mehr anzeigen

In den 90er Jahren verzeichnete die Stadt Zürich ungewöhnlich hohe Arbeitslosenquoten, die erst gegen Ende des Jahrzehnts im Zuge der starken Wirtschaftsentwicklung wieder nachliessen. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase, den Terroranschlägen (2001) und dem Swissair-Grounding (2001) nahm die Arbeitslosenquote als Folge der schwachen Konjunktur ab 2002 wieder deutlich zu. Die Finanzbranche wie auch andere Wirtschaftszweige gerieten unter Druck, was zur Streichung von Stellen führte. Besorgniserregend war die hohe Jugendarbeitslosigkeit in diesen Jahren. Spezielle Programme zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit wurden damals ins Leben gerufen. In der Zürcher Bevölkerungsbefragung war die Arbeitslosigkeit eines der drei meistgenannten Probleme.

Nach einer Erholung ab 2003 nahm die Arbeitslosigkeit ab Mitte 2008 als Folge der Finanz-und Wirtschaftskrise erneut zu. Die Situation entspannte sich zwar ab 2010 wieder etwas. Doch der starke Schweizer Franken und das schwierige wirtschaftliche Umfeld (schwelende Schuldenkrisen in mehreren europäischen Ländern und den USA) haben die Zürcher Branchen unterschiedlich stark getroffen und dies hat auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Nicht jeder Arbeitslose aus der Industrie und dem Bankensektor fand in den boomenden Dienstleistungs- und Baubranchen gleich schnell eine neue Stelle.

Städtevergleich

Erwerbslosigkeit (ILO) im Jahr 2014 in Prozent
CH-Städte: Daten aus Strukturerhebung

Keine Angaben für Warschau.

Indikatordefinition, Datenquellen & spezielle Hinweise einblenden

Erwerbslosenquote nach der Definition der International Labour Organization (ILO). Als Erwerbslose gelten Personen im Alter von 15-74 Jahren, die in der Referenzwoche nicht erwerbstätig waren und die in den vier vorangegangenen Wochen aktiv eine Arbeit gesucht haben und die für die Aufnahme einer Tätigkeit verfügbar wären. Es werden auch ausgesteuerte Arbeitslose, welche weiterhin aktiv eine Arbeit suchen, berücksichtigt. Ebenso sind Hausfrauen, die wieder ins Erwerbsleben einsteigen möchten, oder Studenten, welche einen Job für die Semesterferien suchen, mit einbezogen.

Für die Schweizer Städte werden Daten der BFS-Strukturerhebung (SE) beigezogen. Die Strukturerhebung erlaubt es, zwei von den drei Hauptkriterien der Definition der Erwerbslosigkeit gemäss des Internationalen Arbeitsamtes (ILO) zu respektieren, und zwar in der Referenzwoche nicht erwerbstätig zu sein und in den vier vorangegangenen Wochen aktiv eine Arbeit gesucht zu haben. Das 3. Kriterium, für die Aufnahme einer Tätigkeit verfügbar zu sein, ist aber nicht berücksichtigt. Im Urban Audit werden die Daten der Strukturerhebung am 31. Dezember 2011 als Daten des Referenzjahres 2012 benutzt. Die Grundgesamtheit der Strukturerhebung enthält alle Personen der ständigen Wohnbevölkerung ab vollendetem 15. Altersjahr, die in Privathaushalten leben. Aus der Grundgesamtheit ausgeschlossen wurden neben den Personen, die in Kollektivhaushalten leben, auch Diplomaten, internationale Funktionäre und deren Angehörige. Die dargestellten Werte sind Schätzungen auf der Basis einer Stichprobe; Die Werte mit einem Variationskoeffizient höher als 10 Prozent werden markiert und sind mit Vorsicht zu interpretieren.

Für Warschau stehen lediglich ältere Daten aus dem Jahr 2002 zur Verfügung, was das Bild stark verfälschen würde.

Die Definition nach ILO macht keinen Unterschied zwischen registrierten und nicht registrieren Arbeits- bzw. Erwerbslosen. Erwerbslose nach internationaler Definition haben in einer bestimmten Referenzwoche weniger als eine Stunde gearbeitet und würden gerne mehr. Es handelt sich um Stichproben, die auf die Gesamtheit hochgerechnet werden. Die Arbeitslosenquote nach SECO und die Erwerbslosenquote (ILO) sind deshalb zwei verschiedene Konzepte, deren Ergebnisse nicht direkt vergleichbar sind. Die breite Definition der Erwerbslosenquote (ILO) ermöglicht aber internationale Vergleiche, denn hier haben Unterschiede bzw. Revisionen der jeweiligen nationalen Arbeitslosenversicherungen keinen Einfluss. Die Erwerbslosenquote (ILO) ist meist höher als die Arbeitslosenquote in den Schweizer Städten.

Wo steht die Stadt Zürich im Vergleich?

Die Unterschiede zwischen den Städten sind beträchtlich. Auch innerhalb der Schweiz sind regionale Unterschiede feststellbar. Die lateinische Schweiz ist stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als die übrige Schweiz. Mehr anzeigen

Untersuchungen haben gezeigt, dass durch eine engere wirtschaftliche Integration und höhere Waren- und Dienstleistungsflüsse regionale Disparitäten im Arbeitsmarkt nicht abgebaut werden. In diesem Zusammenhang muss zwischen konjunktureller und struktureller Arbeitslosigkeit unterschieden werden. Konjunkturelle Arbeitslosigkeit entsteht durch zyklische Schwankungen bei Produktion und Arbeitsnachfrage. Strukturelle Arbeitslosigkeit, oder auch Sockelarbeitslosigkeit, ist nicht auf konjunkturelle Ungleichgewichte zurückzuführen; sie ist oft länger und hartnäckiger. Mögliche Gründe und Ursachen liegen bei der Flexibilität der Arbeitsmarktpartizipation (Rückzug vom Arbeitsmarkt in einer Rezession, Meldeverhalten gegenüber der Arbeitslosenversicherung), der Mobilität der Erwerbsbevölkerung, wirtschaftliche Ausrichtung einer Stadt bzw. Region (Branchenvielfalt, -wandel; Ein- und Freistellungsverhalten der Unternehmen) und bei den Institutionen (Ausgestaltung und Handhabung der Arbeitslosenversicherung, Lohnfindungsprozess usw.). Städte haben dabei oftmals höhere Arbeitslosenquoten bei gleichzeitig grösserer Anzahl freier Stellen. Die grossen urbanen Zentren ziehen eine heterogene Bevölkerung an, zeitweise auch spezifisch Arbeitssuchende.

Weiterführende Informationen